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Endlich wieder ein Chorwochenende!

Zur Vorbereitung des nächsten Konzertes des Oratorienchores Ulm fand vom 8. bis zum 10. Oktober 2021 ein Probenwochenende statt. Veranstaltungsort war zum wiederholten Mal die Evangelische Tagungsstätte Wildbad in Rothenburg o.d.T. 54 hochmotivierte Chormitglieder fanden den Weg hierhin.

Das verwunschene, idyllisch zwischen Stadtmauer und Tauber gelegene Wildbad-Anwesen bietet ein ideales Ambiente für ein solches Vorhaben. Seine Ursprünge gehen auf eine um 1356 entdeckte Schwefelquelle zurück, was die Errichtung eines ersten Badehauses um 1400 zur Folge hatte. Nach mehreren Erweiterungsbauten und einem Brand 1782 investierte die Stadt Rothenburg viel Geld, um so einen florierenden Badebetrieb zu fördern.

Im Jahr 1894 wurde das Wildbad vom Orthopäden Friedrich Hessing gepachtet, der sich nicht nur mit dem Ausgleichen orthopädischer Fehlformen begnügte, sondern ständig bemüht war, den Allgemeinzustand seiner Patienten zu bessern. Das Haus wurde seinerzeit mit der damals modernsten Technik ausgestattet. Hessing wurde 1903 zum Königlichen Hofrat ernannt und 1913 in den Adelsstand erhoben.

Nach wechselvoller Geschichte während der beiden Weltkriege übergab die Stadt Rothenburg das schlossartige Wildbad-Anwesen 1978 an das Diakoniewerk Neuendettelsau. Es erfolgte weiterer Ausbau und die Aufnahme des Tagungsbetriebes mit zunächst 46, später insgesamt 90 Zimmern. Heute steht das Wildbad unter der Trägerschaft der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern.

Foto: Hans-Jürgen Sattler (weitere Bilder vom Wochenende in der Mediathek!)


Im Zentrum der Chorproben unter Leitung von Thomas Kammel stand das „Requiem opus 48“ von Gabriel Fauré (1845 – 1924). Im Nachwort der Edition Peters heißt es dazu: Fauré hat es 1888 in der Erstfassung in der „La Madeleine“ in Paris aufgeführt, obwohl es der liturgischen Form des Requiem nicht immer konsequent entspricht. Und weiter heißt es: Es gehört neben den Requiemvertonungen von Brahms, Dvorak und Verdi zu den bedeutendsten Schöpfungen dieser Zeit, doch fällt es weder durch Theatralik noch durch Dramatik auf. Fauré zeichnet kein Bild des Schreckens, sondern eines gläubigen Vertrauens.

Ebenfalls von Gabriel Fauré stammt das zweite Werk „Cantique de Jean Racine, opus 11“. Dessen Vertonung vollendete Fauré bereits 1865 als Student für einen Kompositionswettbewerb und erzielte den ersten Preis. Es weist bereits auf sein späteres Requiem hin.

Zum Probenumfang gehörten außerdem einige A-cappella-Stücke, wie

  • das in lydischer Tonart gesetzte Graduale zum Fest des Heiligen Antonius „Os justi“ von Anton Bruckner (1824 – 1896), 1879 in St. Florian uraufgeführt,

  • das „Bogoroditse Devo“ aus dem Opus 37 von Sergei Rachmaninow (1873 – 1943), 1915 uraufgeführt,

  • die Motette „Sicut Cervus“ für vier Stimmen von Giovanni Pierluigi da Palestrina (1525 – 1594), die den Beginn von Psalm 42 zum Thema hat. Sie wurde 1604 veröffentlicht und wurde zu einer der berühmtesten Motetten des Komponisten,

  • das „Ave Maria“ des spanischen Komponisten und Chorleiters Javier Busto (*1949), das inzwischen zum Standardrepertoire von Konzert- und Festivalchören zählt, sowie

  • das Spiritual „My Lord, what a Morning“ von Henry Thacker Burleigh (1866 – 1949), der als „Vater des Spirituals“ gilt.


Dieses Pensum galt es also zu bewältigen – nach den vielen Pausen der vergangenen pandemischen Monate keine leichte Aufgabe. Und selbstverständlich wurde ein striktes Hygienekonzept befolgt. In diesem Jahr fanden die Chorproben nicht im bereits vertrauten Rokokosaal, sondern im größeren Theatersaal statt. Dieser erlaubte es, die erforderlichen Abstände einzuhalten.

Gleich am ersten Abend gab es nach dem gemeinsamen Abendessen drei Probeneinheiten, zwischen denen jeweils ausgiebig gelüftet wurde. Anschließend blieb genügend Zeit, um einige runde Geburtstage zu feiern.

Nach Frühstück und Einsingen folgten am Samstagvormittag wieder drei Probeneinheiten, ebenso wie am Nachmittag nach einer ausgiebigen Mittagspause, Diese Nachmittagsprobe wurde zur Unterstützung des Chorleiters von Alwina Meissner am Klavier begleitet. Mit tosendem Beifall dankte ihr der Chor beim Abendessen. Ein gemütlicher Ausklang nach den wiederum drei Probeneinheiten entschädigte für einen anstrengenden Probentag voller Konzentration.

Am Sonntag, noch vor dem Frühstück, nahmen einige Chormitglieder am Morgensport unter Leitung von Marko Vrbancic teil, sowie an der von Frauke Liebenehm vorbereiteten Morgenandacht. Auf diese Weise gut eingestellt ging es dann nach dem Frühstück in den letzten Probenteil, der bis zum Mittagessen dauerte.

Gedankt wurde dem Chorvorstand mit langanhaltendem Beifall für die wieder einmal herausragende Vorbereitung dieses Probenwochenendes, vor allem der Vorstands-vorsitzenden Michaela Kellerer für ihren unermüdlichen Einsatz. Wer für das wieder einmal traumhafte goldene Oktoberwetter zuständig war, konnte nicht abschließend geklärt werden. Beim Ausklang und Farewell auf der Sonnenterrasse des Wildbades waren sich wohl alle Teilnehmer einig, dass es ein hocheffizientes Wochenende war, bei dem der Chor nach den pandemiebedingten Auszeiten wieder enger zusammengerückt ist.

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